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Landeshotelfachschule Kaiserhof

Kaiserhof Meran: Fast 125 Jahre voller Gastfreundschaft, Innovation und Glanzmomente

01.04.2026 | News

Wer heute durch Meran schlendert und vor der Fassade des Kaiserhofs stehen bleibt, spürt sofort: Dieses Gebäude erzählt Geschichte. Fast 125 Jahre sind vergangen, seit hier erstmals Gäste ein- und ausgingen – und bis heute ist der Kaiserhof ein Ort, an dem sich Tradition, Bildung und Innovationsgeist begegnen.

Im Jänner 1897 öffnete das Hotel Kaiserhof seine Türen und entwickelte sich rasch zu einer der ersten Adressen der Kurstadt. Es war Treffpunkt für Reisende aus nah und fern und prägte das gesellschaftliche Leben Merans. 1921 wurde es in Hotel Excelsior umbenannt, blieb jedoch weiterhin ein Symbol gehobener Gastlichkeit. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude zeitweise als Militärspital. In den schwierigen Nachkriegsjahren verlor es seine frühere Strahlkraft und verfiel zunehmend. Was wie das Ende einer glanzvollen Hotelära wirkte, sollte sich jedoch als Beginn einer neuen, richtungsweisenden Entwicklung erweisen.

1950 wurde auf Schloss Labers die erste Hotelfachschule Südtirols gegründet – getragen vom Südtiroler Hotelierverein. Die Mission war klar: einheimische Fachkräfte auszubilden und die Qualität der regionalen Gastfreundschaft nachhaltig zu sichern. 1967 erwarb die Autonome Provinz Bozen das Hotel Savoy in Meran, um dort ein praxisnahes Ausbildungszentrum einzurichten. Hier sollten junge Menschen nicht nur Theorie lernen, sondern den Hotelalltag von Grund auf erleben.

1975 kehrte die Schule schließlich an den Kaiserhof zurück. Der Zustand des ehemaligen Hotels war ernüchternd, Teile des Gebäudes befanden sich in desolatem Zustand. Doch Lehrkräfte und Schüler:innen bewiesen Tatkraft: Zwischen dem 24. Oktober und dem 5. November wurde gereinigt, geräumt, gestrichen und eingerichtet. Mit großem Einsatz entstand so der Grundstein für einen Neubeginn. Übergangsweise wurde im Savoy, im Excelsior und im alten Redifianum unterrichtet. Bereits im Schuljahr 1975/76 startete die erste vierte Klasse Touristik, 1977 legten die Absolvent:innen stolz die erste Fachmatura ab. Die dreijährige Hotelfachschule führte zum staatlichen Abschluss als „Addetto alla segreteria e all’amministrazione d’albergo“ und vermittelte praxisnahe Kompetenz in Verwaltung, Küche und Service. Lehrgänge, die zuvor als Kurzmodule angeboten worden waren, wurden auf ein ganzes Schuljahr ausgeweitet – ein deutlicher Qualitätsschub.

Die Aufbaujahre waren eng mit dem Namen Erik Platzer verbunden. Als erster Direktor prägte er den Beginn der Schule gewaltig – mit organisatorischem Geschick, pädagogischer Klarheit und großem persönlichen Einsatz. Er legte Strukturen fest, formte das Profil der Ausbildung und setzte Maßstäbe für Praxisnähe, Disziplin und Professionalität. Sein Wirken schuf das Fundament, auf dem alle weiteren Entwicklungen aufbauen konnten. Nach ihm leitete Markus Alber die Schule für kurze Zeit, bevor Josef Paler über viele Jahre hinweg die kontinuierliche Weiterentwicklung verantwortete.

In den 1980er-Jahren erlebte die Schule einen starken Aufschwung. 1981/82 konnte das renovierte Gebäude endgültig bezogen werden, die Zahl der Schüler:innen stieg bald auf über 300. Am 24. Juni 1985 verlieh die Landesregierung offiziell die Zusatzbezeichnung „Kaiserhof“. Gleichzeitig wurde unter der Leitung von Landesrat Dr. Franz Spögler ein zweijähriges Oberschul-Biennium als Voraussetzung für die dreijährige Fachausbildung eingeführt – ein klares Bekenntnis zur Qualität und zur Aufwertung der Ausbildung. 1985 sorgten Schüler:innen und Fachlehrer:innen beim Weltwirtschaftsgipfel in Venedig für das leibliche Wohl internationaler Staatsgäste wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Helmut Kohl, Yasuhiro Nakasone, François Mitterrand und Amintore Fanfani. 1986 startete die Höhere Hotelfachschule, die bis 2020/21 junge Talente zu Hotelkaufleuten, Eventmanager:innen und Führungskräften ausbildete.

Ab den 1990er-Jahren wurde das Profil weiter geschärft. 1996/97 begann der erste Lehrgang zum diätetisch geschulten Koch, 1997/98 folgte der Lehrgang zum Diplomierten Diätkoch, ab 2003/04 mit DGE-Zertifizierung. Zwischen 2005 und 2010 wurden Lehrgänge für Hotelbetriebswirt:innen angeboten – praxisnah und international ausgerichtet. Parallel dazu investierte man in die Infrastruktur: 2002 wurde das Dach saniert, von 2003 bis 2005 die Außenfassade erneuert. 2015 eröffnete eine neue Schulbibliothek, 2017 bis 2019 entstand eine moderne Turnhalle, ergänzt durch ein Medienlabor für zeitgemäßen Unterricht. Internationale Projekte wie der Bau einer Schule und einer Wasserleitung in Kamerun im Jahr 2007 zeigen, dass soziales Engagement stets Teil des Selbstverständnisses war.

Auch öffentlich setzte der Kaiserhof immer wieder Akzente: 2010 wurden die Kaiserhoftorte und die Kaiserhofpraline präsentiert. 2016 empfingen Schülerinnen den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker in Bozen. 2017 schrieb die Schule mit dem größten Kaiserschmarrn der Welt Geschichte und schaffte es ins Guinness-Buch der Rekorde. Schulband, Kaiserhofball, Sportinitiativen und die Integration von Eventmanagement in die Maturafächer unterstreichen den Anspruch, Fachwissen mit Kreativität, Organisationstalent und gelebtem Stil zu verbinden.

Während anfangs vor allem Jugendliche aus dem Hotel- und Gastgewerbe die Schule besuchten, veränderte sich die Zusammensetzung der Schülerschaft im Laufe der Jahrzehnte deutlich. Bereits seit einigen Jahren kommen viele junge Menschen aus Familien, die keinen direkten Bezug zur Branche haben. Ausschlaggebend sind die vielseitigen Kompetenzen, die hier vermittelt werden: Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent, sicheres Auftreten, Stilbewusstsein und professionelle Umgangsformen – Fähigkeiten, die weit über das Gastgewerbe hinaus gefragt sind. Die staatliche Matura wird mittlerweile direkt am Kaiserhof abgelegt; früher mussten Schüler:innen diese noch als Privatist:innen am damaligen Ex-Lewit, heute WFO, absolvieren.

Heute leitet Hartwig Gerstgrasser die Schule. 2023 wurde der Ganztagsunterricht auf vormittägliche Einheiten reduziert, um gezieltere Förderung zu ermöglichen. Im März 2024 gründete sich der Alumni-Club Kaiserhof, der ehemalige Schüler:innen vernetzt und die Tradition lebendig hält.

Vom Grandhotel über das Excelsior bis hin zum modernen Ausbildungszentrum steht der Kaiserhof heute für Exzellenz, Tradition und Innovationskraft. Fast 125 Jahre nach seiner Eröffnung ist er weit mehr als ein Gebäude: Er ist ein lebendiges Symbol für die Verbindung von Geschichte, Bildung und internationalem Anspruch – und ein Ort, an dem die Südtiroler Gastfreundschaft jeden Tag neu Gestalt annimmt.